Ölmühle am Schloss Brake

 

Der Verein Alt Lemgo und die historische Ölmühle am Schloss Brake

 

Schon seit vielen Jahren sieht es der Verein Alt Lemgo als eine besondere Aufgabe an, das technische Kulturdenkmal „Ölmühle“ vor dem Verfall zu retten.

Wir sind der Meinung, dass dies Mühlengebäude zum einmaligen Schlossensemble gehört. Das gilt auch besonders für die historische Holzkonstruktion des Mahlwerks im Inneren. Hier wird die raffinierte Kraftübertragung im Räderwerk für den gesamten Herstellungsprozess des Öls deutlich. Der Verein Alt Lemgo möchte dies der Nachwelt als Lehr- und Anschauungsobjekt erhalten.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in diesem historischen Gebäude mit der hier zu sehenden Mühle Öl produziert. Bis zur endgültigen Stilllegung der Produktion im Jahre 1925 war die Pächterfamilie Vietmeier für den Betrieb verantwortlich.

Häufige Hochwasser und ständige Feuchtigkeit haben dem Gebäude, dem Mahlwerk und dem Inventar immer wieder schwer zugesetzt. Schon in den 70er Jahren und erneut zu Beginn dieses Jahrhunderts war eine gründliche Sanierung des Gebäudes und der technischen Einrichtung erforderlich. Zusammen mit der Stadt Lemgo und einer Reihe von Sponsoren ist es dem Verein gelungen, auch durch persönlichen Arbeitseinsatz vieler Mitglieder, diese Sanierung und die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen durchzuführen.

Der Verein Alt Lemgo kümmert sich auch weiterhin um das Projekt „Ölmühle am Schloss Brake“.

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

dass ich das noch auf meine alten Tage erleben darf, ist eine Freude.

Entschuldigung, ich möchte mich kurz vorstellen:

Ölmühle vom Schloß Brake in Lemgo, mittlerweile 212 Jahre alt.

Also, Ich bekomme auf der homepage vom Verein Alt Lemgo eine eigene Rubrik, unter der ihr erfahren könnt, was ich in der Zeit so erlebt habe, über meine Geschichte, über die Geschichte der Müller, die mit mir gearbeitet haben, Technik und Funktionsweise und natürlich über die Menschen vom Verein Alt Lemgo, die sich meiner angenommen haben und mit viel Einsatz dafür gesorgt haben, dass mein Altersruhesitz hier sehr schön renoviert wurde.

Außerdem werde ich seit gut 2 Jahren von einem 4-köpfigem Ölmühlenteam betreut, die mich und meine Umgebung sauber halten, Führungen anbieten und dafür sorgen, dass es mir gut geht.

Ich sollte ja in diesem Jahr an mehreren Tagen der Öffentlichkeit vorgeführt werden, aber durch Corona sind die Vorführungen leider flach gefallen. Du kannst jedoch ab sofort an dieser Stelle Aktuelles erfahren, seien es Öffnungszeiten, Arbeiten an meiner Technik usw.

Da ich ja bei einem Alter von 212 Jahren einiges zu erzählen habe, werdet ihr in der nächsten Zeit, wenn ihr möchtet, öfter von mir lesen.

Ich habe eben vom Altersruhesitz gesprochen aber so ganz stimmt das nicht. Mein Antrieb, das Wasserrad, dreht sich nach wie vor und demonstriert die gewaltige Kraft des Wassers, die schon vor hunderten von Jahren die Menschen motivierte, Maschinen, wie ich eine bin, zu bauen.

 

 

 

Geschichte

1633 meine Vorgängerin wurde von einem Gottschalk Meisolle ( auch

Mesell genannt) als Pächter betrieben

1635 Übernahme durch E. Biermann und weiteren Pächtern

1667 Mühlenmeister Hermann Müller, in der Folge zahlreiche andere Pächter

1808 mein Geburtsjahr, aufgebaut wurde ich nach holländischer Art, d.h.,

dass Zerkleinern der Ölsaat geschah durch einen Mahlgang anstatt

durch Zerstampfen mittels Holzstempeln.

1842 Branntweinbrenner Pape wird als Ölmühlenpächter genannt

1846 Unterverpachtung an Simon Anton Vietmeier. Seitdem wurde ich

ausschließlich über 5 Generationen von Mitgliedern der Familie

Vietmeier bedient.

1900 Einstellung der Ölproduktion aufgrund von Unrentabilität, ein harter

Schlag für mich!

1917 Wiederaufnahme der Ölproduktion auf Grund der Ernährungskrise/

Ende des 1. Weltkrieges

1927 meine endgültige Stilllegung, ich wurde zum technischen

Kulturdenkmal . Die Ursache für mein Ende waren nicht technische

Mängel, sondern Unwirtschaftlichkeit.

1974

Der Verein „Alt Lemgo“ übernimmt meine Betreuung vom

Landesverband und mit tatkrätigem persönlichen Einsatz von

Mitgliedern des Vereins wird entrümpelt, es gibt ein neues Dach,

einen neuen Fußboden, Beleuchtung und neues Pflaster auf dem

Vorplatz. ( F2)

1981 Die gesamte Inneneinrichtung einschließlich Wasserrad und

Unterkonstruktion wird per Nießbrauchvertrag vom 19.06.1981 an die

Stadt Lemgo übertragen, die Betreuung des im Inneren der Ölmühle

befindlichen Mahlwerkes und Inventar an den Verein Alt Lemgo

1987 Reparatur des Wasserrades

2006 Mit Vertrag vom 21.12.2006 zwischen den Erben von Herrn Ernst

Vietmeier und dem Verein Alt Lemgo erfolgt die Übertragung des

Mahlwerkes und Inventar der Ölmühle an den Verein Alt Lemgo ( als

Schenkung.)

2014 Reparatur des äußeren Wellenlagers

2016 Eröffnung des Ausstellungsraumes (Museums) in der Ölmühle mit 4

funktionierenden, handgefertigten Mühlenmodellen aus Holz der

Müllerfamilie Vietmeier ( F3)

 

2019 Die äußere Holzkonstruktion unter dem Wellenlager des Mühlrades

wird repariert und ausgebessert.

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe gerade ein paar harte Tage hinter mir. Hoch "Gisela" hat dafür gesorgt, dass mein Wasserrad stocksteif gefroren war. ( siehe Fotos unter Aktuelles)

Zum Glück blieb mir ein nachfolgendes Hochwasser erspart, welches in früheren Jahren nach der Schneeschmelze oft für Probleme sorgte.

 

Erzählen möchte ich heute über die Anfangszeit der Mühlen in Brake.

 

Als Mühlen wurden lange Zeit alle mit Hilfe der Wasserkraft angetriebenen mechanischen Werke bezeichnet. Nun brachte es die Schlossanlage des Braker Schlosses mit sich, dass sie vom Wasserlauf der Bega durch mehrere Flussarme geschützt war. Im 12. Jh. wurde bereits ein Umflutgraben, gespeist von der Bega, angelegt, der das Schloss zusätzlich sichern sollte. Auf dem Weg zurück zur Bega musste das Wasser ein Gefälle passieren, beste Voraussetzung, um Mühlen zu betreiben.

Zur Schlossanlage gehörten neben den Wehranlagen auch Wirtschaftsgebäude, Scheunen, Ställe und folgende Mühlen: Getreidemühle, Ölmühle, Sägemühle, Schrotmühle, Graupenmühle, Bokemühle und eine Bohrmühle.

Eine Getreidemühle wird schon im 17. Jh. durch urkundliche Belege nachgewiesen. Im Inventarverzeichnis von 1647 sind zwei Mahlgänge für Roggen und Weizen aufgeführt.

Die Ölmühle wird erstmals 1633 genannt, als sie von Gottschalk Meisolle gepachtet wurde. 1808 wurde die alte Ölmühle gegen die Heutige ersetzt.

Die Sägemühle, ebenfalls 1633 von Gottschalk Meisolle gepachtet, brannte um 1830 vollständig ab. 1831 entstand das heutige Mühlengebäude.

Schrotmühle - Graupenmühle - Bokemühle: Diese Mühlen befanden sich ebenfalls mit der Sägemühle im Mühlengebäude. Alle drei Mühlen wurden durch ein gemeinsames Wasserrad und Hauptwelle angetrieben. Bei nicht ausreichender Wasserkraft konnten die Graupen - oder Bokemühle durch einfache Hebel von der Antriebswelle getrennt werden.

Eine Bohrmühle, die sich ebenfalls im Gebäude der Sägemühle befand, wurde dazu genutzt, um aus Holzstämmen Holzrohre für die Wasserleitungen zum Schloss herzustellen. Erstmals erwähnt wurde die Bohrmühle um 1640. 1815 wurden bei der Errichtung der Nervenheilanstalt Lindenhaus zum letzten Mal in größerem Umfang hölzerne Wasserrohre hergestellt.

Von Betriebseinrichtungen der früheren Sägemühle und den weiteren in diesem Gebäude eingerichteten Mühlenwerken zeugen heute nur noch wenige Spuren am Gebäude. In der dem Wasser zugewandten Gebäudeseite erkennt man eine kreisrunde Öffnung im Mauerwerk, die Stelle, an der die Welle des Wasserrades der Sägemühle saß.

 

Die Situation der Mühlen am Braker Schloss war für ihre jeweiligen Betreiber nicht einfach. Die meiste Zeit mussten sich 2 Pächter über die Nutzung des Wassers einigen, das selten ausreichte, mehrere Mühlwerke gleichzeitig zu betreiben. Arbeitete die Kornmühle, reichte zumeist die Wasserkraft nicht mehr für die Antriebe der Öl - und Sägemühle. Diese konnten nur dann effektiv arbeiten, wenn der obere Mühlenteich ausreichend gefüllt war. In der Sägemühle konnten in Zeiten niedrigen Wassers bestenfalls der Antrieb der Säge genutzt werden, wohingegen die übrigen, alternativ von einem Wasserrad angetriebenen Mühlen nur dann arbeiten konnten, wenn der Sägebetrieb ruhte. - also vorwiegend nachts. Ein weiteres Problem brachte die Witterung mit sich. Bei starkem Regen, vor allem aber bei Hochwasser, tauchten die Schaufeln des Rades in das Unterwasser, bremsten und hielten es an. Bei strenger Kälte fror das Rad für Wochen ein; bei geringerem Frost musste der Müller morgens entscheiden, ob er das Eis vom Rad abklopfen sollte, oder ob der dabei am Rad enstehende Schaden größer sein würde als der Wert der gewonnenen Energie.

Das Lied "Bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach" hat durchaus seine Berechtigung. Die Müller waren bei ihrer Arbeit mehr vom Wasser als von der Tageszeit abhängig und haben bei kümmerlicher Beleuchtung manche Nacht in der Mühle verbracht, wenn gutes Wasser genutzt werden musste.

Es war also schon damals reger Betrieb rund um das Braker Schloss. Ende des 18. Jh. gab es dann einen für mich sehr wichtigen Pächterwechsel:

Christoph Bracht, der 1798 die Pacht meiner Vorgängerin übernahm, stellte damals Überlegungen an, wie die Mühlenanlagen besser und ertragreicher genutzt werden könnten. 1805 machte er der landesherrlichen Verwaltung zahlreiche Vorschläge zur Veränderung der Mühlenanlagen. Kernpunkt war dabei die Ölmühle, mit der er seinen Haupterwerb bestritt. Nach langen Diskussionen machte er der Landesregierung den Vorschlag, die alte Ölmühle neu zu bauen und dabei auch technische Verbesserungen vorzunehmen.

Das Ergebnis kann sich noch heute sehen lassen, 1808 wurde ich fertiggestellt. Meinem Ursprungsland nach wurde ich als "holländische Art" bezeichnet. In dem Schreiben der Landesregierung befindet sich auch die Bezeichnung "vlothoische Art", da ein Gutachten und Bauskizzen der Ölmühle des Kaufmanns Brand aus Vlotho vorlagen. Während bei den alten Ölmühlen das Zerkleinern der Ölsaat ähnlich wie bei einer Bokemühle mit Hilfe von 2 Holzstempeln, welche die Ölfrüchte zerstampften, erfolgte, geschah dies in den "holländischen" Ölmühlen mit Hilfe eines Mahlganges, dem Kollergang.

Auf Fragen hinsichtlich der Person Brachts, äußerte der Braker Amtmann Rodewald gegenüber der fürstlichen Rentkammer, dass Bracht anerkannt geschickt und einsichtig in mechanischen Arbeiten, zudem unermüdlich fleißig und betriebsam wäre.

 

Quellen:  Von Mühlen und Menschen, Regina Fritsch

                Lemgoer Hefte, Rund um die alte Ölmühle zu Brake

                Die Ölmühle, Verein Alt Lemgo

 

                                                                                                                                                        April anno 2021

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

nachdem ich meine Geschichte an Hand von wichtigen Begebenheiten umschrieben habe und die Mühlen rund ums Braker Schloss im letzten Bericht Thema waren, möchte ich heute über die Menschen erzählen, die mich bedienten und mit mir gearbeitet haben, die Müller.

Insbesondere die Familie Vietmeier, die von 1846 an über 5 Generationen bis zur Aufgabe des Betriebs 1966 als Müller mit den Braker Mühlen arbeitete, hat hier über 120 Jahre mit viel Engagement Geschichte geschrieben.

Der Personenname Müller geht auf den Beruf des Müllers ( mittellateinisch:  molinarius ) zurück. Die Römer hatten die Mühlentechnik über die Alpen gebracht, wobei es sich zunächst um Handmühlen oder von Zugtieren angetriebene Mühlen handelte. Bereits seit dem 5. Bis 8. Jahrhundert verfügten Gutshöfe und Burgen auch über Wassermühlen. Die Wasserkraftnutzung durch Mühlen war ein entscheidender technischer Fortschritt des europäischen Mittelalters und führte seit dem 12. Jahrhundert zur deutlichen Zunahme der Berufsmüller.

Kennzeichnend für ihren Beruf war nicht die Herstellung eines Produktes in Handarbeit, sondern die fachgerechte Bedienung von Anlagen und „gehenden Werken“, die übrigens in Lippe bis weit in das 19. Jahrhundert hinein die einzigen größeren technischen Anlagen innerhalb des gesamten Gewerbes waren.

Im Unterschied zu anderen Handwerkern wie Schmied, Schuster oder Sattler waren die meisten der Müller aber nicht Eigentümer ihrer Werkstätten, sondern besaßen nur das Inventar, in einigen Fällen auch das Gebäude, sofern sie es selbst erbaut oder renoviert hatten. Das Grundstück und in vielen Fällen auch die Mühle selbst waren gepachtet und befanden sich im Obereigentum der Grundherrschaft oder des Landherrn. Als „unehrbaren“ Handwerkern war ihnen bis zum 18. Jahrhundert der Zugang zu den Zünften versperrt, und auch in der Bevölkerung war das Sozialprestige der Müller vielfach recht gering.

Das Gros aller Mahlmühlen in Lippe befand sich bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Landesherrschaft, für die sie über viele Jahrhunderte hinweg eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellten. Die Berechtigung zur Errichtung und zum Betrieb von Mühlen leitete sich aus den mittelalterlichen hoheitlichen Rechten und Pflichten ab: Als Eigentümer des gesamten Landes besaß der Landesherr auch das ausschließliche Nutzungsrecht an den Energiequellen des Landes. Er konnte diese Berechtigung an andere Personen abtreten (die dafür eine Gebühr zu bezahlen hatten) oder selbst Mühlen errichten lassen, und zwar überall dort, wo es ihm erforderlich und profitabel erschien; andererseits war deren Errichtung aber auch Teil der landesherrschaftlichen Fürsorgepflicht gegenüber den Untertanen, die ihrerseits Anspruch auf Zugang zu einer Mühle zur Vermahlung ihres Getreides hatten. Da die Bevölkerung auf diese Mühlen mehr als auf jeden anderen Handwerksbetrieb angewiesen war und mangels eigener Möglichkeiten und privater Konkurrenzbetriebe auch keine Alternativen hatte, zählten die herrschaftlichen Mühlen potentiell zu den rentabelsten und lukrativsten Betrieben des Landes. Das wussten auch die Pächter, und es hat deshalb nie an Pachtinteressenten gefehlt.

 

Die Mittel für den Bau und die relativ kostspielige Ausstattung der Mühlen waren anfangs noch von der Landesherrschaft aufgebracht worden. Da die Stauwerke und Mahlgänge jedoch häufig repariert oder ganz erneuert werden mussten, der Landesherr aber seinerseits ständig in Geldnöten steckte, wurden diese Unterhaltskosten ab dem 17. Jahrhundert zunehmend auf die Müller abgewälzt, denen dafür im Gegenzug gewisse Privilegien gewährt oder die Mühlen in Erbpacht gegeben wurden. Seither gab es also zwei Arten herrschaftlicher Mühlen: Erbpachtmühlen und Zeitpachtmühlen. Erstere hatten der Landesherrschaft einen jährlichen „Kanon“ zu entrichten, waren aber im Besitz der Müller, die sie an ihre Nachfahren weitervererben konnten. Zeitpachtmüller besaßen lediglich die „gehenden Werke“, d.h. die Mahl- und Beutelgänge samt Zubehör. Dieses Inventar wurde bei einem Pächterwechsel sorgfältig von einer Kommission in einem „Inventarium“ aufgenommen, wertmäßig geschätzt und dann von dem Vorpächter an den Nachfolger weiterverkauft. Genauso wurde verfahren, wenn ein Erbpachtmüller in Konkurs gegangen war oder keinen Nachfolger hatte und die Mühle verkauft werden sollte. Auch in diesem Fall hatte der Landesherr bei der Auswahl des neuen Müllers ein Mitspracherecht. Zeitpachtmühlen wurden in der Regel für drei bis zwölf Jahre an den meistbietenden Müller verpachtet.

Der Privatisierung der Mühlen stand in Lippe weniger der Kapitalmangel der Müller entgegen (von denen einige immerhin recht wohlhabend waren), sondern vor allem die gegebenen Wirtschaftsverhältnisse und die feudale Rechtsstruktur: bis zur Einführung der Gewebefreiheit im Jahre 1869 konnten die Müller nicht frei wirtschaften, sondern es lag bei der Obrigkeit zu entscheiden, wo Mühlen angelegt und welche Art von Mahlgängen dort eingerichtet werden sollten, wie groß die Kapazität der Mühle zu sein hatte und welches Einzugsgebiet die Mühle haben sollte. Außerdem waren die Müller ja nicht Eigentümer von Grund und Boden; aber selbst wenn sie ein eigenes Grundstück besaßen, hatten sie nicht ohne weiteres Zugang zu den Energiequellen, die für den Betrieb jeder größeren Mühle (von Ross- und Handmühlen einmal abgesehen) vorhanden sein mussten. Dafür standen, bevor es Dampfmaschinen und Motoren gab, nur Wasser und Wind zur Verfügung. Beides gehörte aber, nach der gegebenen Rechtsauffassung und gemäß aus dem Mittelalter überkommenden Hoheitsrechten, der Landesherrschaft. Die Wasserrechte zählten, wie das Münzrecht, das Markt- und Zollrecht, die Berg-, Jagd- und Fischereirechte, zu den landesherrlichen Regalien. Alle natürlichen Flussläufe und Teiche des Landes waren Eigentum des Landesherrn, dem auch das ausschließliche Nutzungsrecht zukam. Aus dem Wasserrecht leitete sich das sogenannte Mühlenregal ab: nur der Landesherr hatte das Recht zu entscheiden, ob und an welchen Stellen Mühlen angelegt werden konnten. Wo immer seit dem Mittelalter Mühlen entstanden waren, die nicht direkt von der Landesherrschaft in Auftrag gegeben oder in Betrieb genommen worden waren, bedurften sie zumindest einer Konzession – und die wurde nur dann erteilt, wenn durch den Neubau nicht landesherrschaftliche Interessen tangiert waren, d.h. wenn den herrschaftlichen Mühlen keine unerwünschte Konkurrenz durch private Mühlen erwuchs.

 

1860 soll es in Deutschland noch bis zu 65.000 Mühlen gegeben haben. Der Name Müller findet sich dementsprechend überall im deutschen Sprachraum und ist hier der häufigste Familienname. Allein in Deutschland gibt es dazu mehr als 320.000 Einträge im Telefonbuch. (Zahl von 1996). Nach Angaben von Jürgen Udolph, deutscher Onomastiker (Namenkundler) und ehemaliger Professor an der Uni Leipzig, tragen etwa 700.000 Deutsche den Namen Müller.

 

Liebe Leserin, lieber Leser, beim nächsten Mal möchte ich über die soziale Stellung der Müller und ihr Einkommen schreiben, bevor dann 120 Jahre Familie Vietmeier auf meinem Programm stehen.

 

Quellen:   entnommen aus Mühlenbetriebe – Zur Geschichte der Mühlen in Lippe, Verein Alt Lemgo

                 Wikipedia, Müller ( Familienname)